

Feuerwehrleute in einem Pferdestall. Ein unerwarteter Anblick. Doch Florian Füssner, stellvertretender Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Wettringen weiß: Auch ein Stall kann brennen. Für diesen Fall übte die Feuerwehr nun – eng mit den Tieren.
Von Torben Theising / MV

Mit voller Einsatzkleidung gingen die Feuerwehrmänner und -frauen in die Ställe. Für einige von ihnen war es der erste Kontakt mit einem Pferd.
Und gerade in einer ländlichen Region wie Wettringen gibt es zahlreiche Ställe mit großen Tieren wie Pferden, Rindern oder Kühen. Darum veranstaltete die Feuerwehr Wettringen in Zusammenarbeit mit dem Fahr- und Reitverein am vergangenen Mittwochabend eine zweistündige Übung am Pferd.
Es geht um Nervosität
Auf dem Gelände des Fahr- und Reitvereins und unter Anleitung erfahrener Reiterinnen und Reiter übten 18 Feuerwehranwärter die Grundlagen im Umgang mit den Tieren.

Im Ernstfall würden die Tiere von der Feuerwehr aus dem Stall geführt werden. Genau das wurde auch trainiert.
Die Männer und Frauen lernten, die Tiere an der Leine zu führen, sie durch sanftes Striegeln zu beruhigen und sogar den Huf zu reinigen. „Es ging um den direkten Kontakt zum Tier. Einige hatten zum ersten Mal so nahen Kontakt mit einem Pferd“, erläutert Füssner. Sie waren durchaus etwas nervös. Und genau darum gehts: die Nervosität zu verlieren. „Im Ernstfall sind die Tiere im Stress. Da braucht es einen ruhigen Umgang von unseren Leuten. Weder Einsatzkräfte noch Tiere sollen im Ernstfall gefährdet werden“, erläutert Füssner.
Gegenseitiges Gewöhnen
Während der Übung wurde auf den Einsatz von Nebel oder Wasser verzichtet. „So waren die Tiere völlig entspannt; es sind gut trainierte Tiere“, lobt Füssner. Die erfahreneren Kollegen, die selbst in einem Reitverein sind oder waren, konnten den unerfahrenen zur Seite stehen. „So würde das im Ernstfall auch ablaufen. Wir würden zur Einsatzstelle fahren, und dort schauen, wer schon Erfahrung mit Pferden hat“, erläutert Füssner.
Doch nicht nur die Feuerwehrmänner und -frauen konnten sich an die Pferde gewöhnen. Auch andersherum lief es gut, erzählt Füssner. So sind die Übungs-Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Einsatzkleidung – Helm, spezielle Hose und Jacke, Handschuhe und Einsatzjacke – an die Tiere herangetreten. „Sie konnten sich schonmal an diese Kleidung gewöhnen und lernten die Gerüche der Ausrüstung kennen“, sagt Füssner. Ein Vorteil, sollte es zum Ernstfall kommen.
Alle zwei Jahre so eine Übung
Das vorrangige Ziel war aber die Schulung der Einsatzkräfte. Während die Feuerwehrleute selbst anpackten, wurden ihnen immer wieder Tipps von der Voltigierabteilung des Vereins gegeben, was sie verbessern können. Ein Beispiel: „Wenn man sich einem Pferd nähert, um es aus dem Stall zu holen, ist es wichtig, möglichst von vorne und im Blickfeld des Tieres heranzutreten“, erläutert Füssner. Komme die Person von hinten, erschrecke sich das Pferd.
Die Übung war für die jungen Feuerwehrleute gedacht, sei ein „wichtiger Bestandteil“ der Grundausbildung. „Es ist gut, sowas direkt in der Ausbildung zu lernen. Unsere älteren Kollegen haben schon mehrerer solcher Übungen hinter sich.“ Alle zwei Jahre führt die Freiwillige Feuerwehr Wettringen eine Übung am Tier durch. Zuletzt auf einem Rinderhof. Füssner: „So sind wir im Ernstfall besser vorbereitet.“