Remki überrascht zum Abschluss mit Abschied
Für die meisten Mitglieder hatte das Ende der Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr Wettringen am Wochenende eine handfeste Überraschung parat: Wehrleiter Christoph Remki will sein Amt Ende Oktober abgeben. Darüber hinaus ist die Einsatzzahl gestiegen. [+]
Von Jens Keblat / MV
Nach 40 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr, davon acht Jahre als ihr Leiter, verabschiedet sich Christoph Remki Ende Oktober – hier mit seinen Stellvertretern (v.l.) Thomas Brünen und Thomas Henrichsmann. | Foto: Jens Keblat
Fast 100 Einsätze und ebenso viele ehrenamtlich aktive Frauen und Männer in der Einsatzabteilung – und einer, der den Hut in jeder Lebenslage aufhaben muss. Aber: „Mit 60 springt man nachts um drei nicht mehr so aus dem Bett wie mit 50“, sagte Wehrführer Christoph Remki am Samstag im Rahmen der Jahreshauptversammlung und kündigte damit die Niederlegung seines Amtes an.
Platz für jüngere Wehrführung
2017, im großen Jubiläumsjahr der Wettringer Wehr, war Christoph Remki in die Fußstapfen des damaligen Wehrführers Werner Henrichsmann getreten und zuletzt auf der Jahreshauptversammlung vor genau zwei Jahren hatte Remki bereits unmissverständlich mitgeteilt, „dass ich noch maximal drei Jahre mache.“ Doch die „werden es jetzt nicht ganz“, gab Remki zu, als er das Thema am vergangenen und durchaus späten Samstagabend wie eine unliebsame Überraschung am Ende der Jahreshauptversammlung noch unter „Verschiedenes“ auf die Agenda packte.
Zuvor hatte er diesen Schritt innerhalb seines Kommandos und mit Bürgermeister Berthold Bültgerds abgestimmt, für die Mannschaft aber – insgesamt waren rund 100 Freiwillige aus allen Abteilungen der Wehr zugegen – kam das umso überraschender. Nachdem er geduldig abgewartet hatte, ob noch irgendjemand ein anderes Thema hat, wurde Remki persönlich und gab seinen Motiven ein Gesicht – sein eigenes, ein verständliches: „Ich möchte Euch mitteilen, dass ich die Funktion als Leiter der Feuerwehr Ende Oktober niederlege.“
Fast zwei Drittel der Mitglieder der Wehr waren bei der Jahreshauptversammlung dabei. Und die wächst ... | Foto: Jens Keblat
Julius Katerkamp etwa kennt sich schon mit der neuen ELW-Technik aus. | Foto: Jens Keblat
Warum er diesen Schritt gerade jetzt wählt, ließ sich bereits in den Stunden zuvor aus der Jahresbilanz der Wehr (siehe weiterer Bericht) ablesen, denn der geht es sehr gut: das Gerätehaus ist mal gerade 15 Jahre alt, der Fuhrpark ist unter Remki auf Basis einer umfassenden Brandschutzbedarfsplan-Fortschreibung messbar verjüngt worden, an moderner Einsatzkleidung mangelt es auch nicht und die Mannschaft ist ohnehin top aufgestellt. Für Remki, der am Samstag für 40 Jahre in der Feuerwehr geehrt wurde, der richtige Moment, das für ihn richtige Timing zu wählen: „Im Juni werde ich 60 Jahre alt und möchte rechtzeitig den Absprung schaffen und den Weg für eine jüngere Wehrführung freimachen.“
Ende Oktober also soll Schluss sein. Zwar sind die Zeiten, in denen Feuerwehrleute mit 60 Jahren ausgedient haben, lange vorbei. Doch Remki hat sich rechtzeitig um den Generationenwechsel an der Spitze der Wehr gekümmert, etwa in Form seiner Stellvertreter Thomas Brünen und Thomas Henrichsmann, aber auch weiterer hoch qualifizierter Wehrleute im Kommando.
Lob und Dank für die Besonnenheit
Mehr Freiwillige, aber auch mehr Einsätze. Die Zahlen rund um die freiwillige Feuerwehr im „Hiärtken“ steigen weiterhin kontinuierlich. Zuletzt mussten sich die Wehrleute in 2024 zahlreichen Bagatelleinsätzen, aber auch etlichen echten Notlagen und dramatischen Situationen stellen. Das wurde im Rahmen der Jahreshauptversammlung am Samstagabend deutlich.
„Durch ihren Einsatz, ihre große Kompetenz und ihre Besonnenheit haben sie dazu beigetragen, dass Schlimmeres verhindert werden konnte. Das ist unglaublich für Leute, die es ehrenamtlich machen, dafür ist kein Dank groß genug.“ Diese Worte entstammen nicht etwa einer Online-Bewertung der Feuerwehr oder aus direkter Feder des Bürgermeisters. Tatsächlich war Berthold Bültgerds am Samstagabend nur Überbringer dieser Worte, die so oder so ähnlich Eheleute aus Wettringen erst am Samstagmorgen formuliert haben sollen. Und zwar nachdem sie kürzlich hautnah erleben mussten, was es bedeutet, wenn es in den eigenen vier Wänden brennt und die Wehrleute auf dem eigenen Dachboden das tun, was sie in unzähligen Aus-, Fort- und Weiterbildungsstunden in ihrer Freizeit gelernt haben. „Ich glaube, treffender kann man es nicht formulieren“, so Bültgerds über die Begegnung der besonderen Art auch für ihn.
Diese Nachwuchs-Feuerwehrleute haben 2024 erstmals am Leistungsnachweis auf Kreisebene teilgenommen. | Foto: Jens Keblat
Was auf die Betroffenen wie Glück im Unglück gewirkt haben muss, ist für die Wehrleute, für die es heute längst nicht mehr darum geht, das Feuer irgendwie auszubekommen, der Beleg eines konsequenten Qualitätsmanagements: „Wir haben in diesem Fall versucht, möglichst wenig Löschmittel einzusetzen, um Folgeschäden zu verhindern. Wir sind wirklich ruhig und besonnen vorgegangen“, sagt Wehrführer Christoph Remki.
162 Mitglieder in allen Abteilungen
Genauso wie dieser kürzliche Einsatz seien auch die insgesamt 96 Einsätze des Jahres 2024 abgearbeitet worden, wusste Remki in seinem Jahresbericht. Dabei ist bereits diese Zahl im Vorjahresvergleich wieder einmal gestiegen – von zuletzt 88 in 2023. Remki: „Einzelne Einsätze in 2024 waren besonders herausfordernd und werden uns sicherlich in Erinnerung bleiben, sei es der Großbrand bei Brentwood, mehrere schwere Verkehrsunfälle, eine auffällige Schwefelwasserstoff-Konzentration in der Kanalisation, diverse Unterstützungen für den Rettungsdienst oder der tragische Badeunfall am Haddorfer See.“
Hubert Metten ist bereits seit stolzen 60 Jahren Mitglied. | Foto: Jens Keblat
Für die jährlich steigende Zahl der Einsätze stehen der Wehr dank starkem Interesse an diesem Ehrenamt mehr und mehr Freiwillige zur Verfügung. So zählte allein die Einsatzabteilung zuletzt 102 Frauen und Männer bei einem Altersdurchschnitt von 36,8 Jahren. Mit 24 Mitgliedern im Musikzug und 36 in der Ehrenabteilung engagieren sich somit derzeit 162 Wettringer in der Feuerwehr.
Leitungsfindung
Die Leitung der Freiwilligen Feuerwehr wird nicht gewähl, sondern durch den Gemeinderat bestellt. Dazu wird am 21. Mai im Feuerwehrgerätehaus eine nicht öffentliche Anhörung durch den Kreisbrandmeister stattfinden, der im Anschluss dem Gemeinderat einen Vorschlag zur Neubesetzung mitteilen wird. Nimmt der Rat diesen an, wird er oder sie vom Bürgermeister zum Leiter oder Leiterin der Feuerwehr ernannt und in ein sogenanntes Ehrenbeamtenverhältnis auf Zeit berufen. Dieses im BHKG NRW (Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz) verankerte Prozedere legt nahe, dass derartige Personalien meist weit im Voraus abgestimmt werden. Doch wie man sich die Nachfolge im „Hiärtken “ vorstellt oder gar bereits vorbereitet hat, wurde noch nicht öffentlich.