ehemalige Gerätehäuser

Die ehemaligen Gebäude der Wehr

GERÄTEHAUS „HÜGELSTRAßE“

Zu rund 2.000 Einsätzen ist die Feuerwehr Wettringen zwischen 1960 und 2010 vom Feuerwehrgerätehaus „Hügelstraße“ aufgebrochen. In dieser Zeit hat das Gerätehaus fünf Wehrführer erlebt. Wobei als Besonderheit Bernhard Wolbeck sen. das Gerätehaus als Wehrführer beim Neubau begleitete und sein Sohn Bernhard Wolbeck es als Wehrführer 50 Jahre später außer Dienst gestellt hat. Das Gebäude war seit 1964 auch als Sirenenstandort ausgewiesen. Vor 1964 gab es nur jeweils eine Sirene auf dem alten Amtshaus und auf der Mühle Gerdes. Eine lange Zeit war auch ein Alarmknopf neben der Eingangstür angebracht, mit diesem man Sirenenalarm auslösen konnte. 1990 wurde das Gerätehaus umfangreich erweitert. Der Schulungsraum wurde vergrößert, Wasch- und Duschräume sowie eine Kleiderkammer wurden eingerichtet. Auch für eine Teeküche fand man Platz. Insgesamt 274.000 DM hat dieser Umbau seinerzeit gekostet.

In diesem Gerätehaus war auch der Wettringer Krankenwagen untergebracht. Die ersten Krankentransporte wurden anfangs noch mit einem normalen Löschfahrzeug durchgeführt,  in das man eine Liege einschieben konnte. Der Krankenwagen der Gemeinde wurde 1987 außer Dienst gestellt und nach Portugal verschenkt. Hauptamtliche Krankenwagenfahrer waren Günter Weiß und Willi Bordieck. Von den jetzigen aktiven Feuerwehrleuten haben nur noch Andreas Bruning und Berthold Kubitschek ehrenamtlich Krankentransporte in Wettringen durchgeführt. Untrennbar verbunden ist das Gerätehaus insbesondere mit dem Namen Günter Weiß. Der Gerätewart hat fast 50 Jahre mit seiner Familie in der Dienstwohnung des Gerätehauses gewohnt. Günter Weiß hat sich immer um die Fahrzeuge und Gerätschaften gekümmert, als wären es seine eigenen.

Das Gebäude war zwar nicht erhaltenswert gewesen, dennoch wird es in den Erinnerungen der Feuerwehr einen festen Platz haben, zumal viele Kameraden mehr als die Hälfte ihrer Dienstzeit in diesem Gerätehaus verbracht haben. Heute erinnert nur noch die Straßenbezeichnung „Alte Feuerwehr“ an diesen Standort.

PUMPENBURG

1913 hat die Feuerwehr in Wettringen ein neues Spritzenhaus erhalten.  Die älteren Wettringer werden sich erinnern, dass es am Ortsausgang Metelener Str. auf der Ecke am Abzweig zur Rothenberger Str. seinen Standort hatte. Alten Zeitungsberichten zufolge hatte an gleicher Stelle aber bereits ein Geräteschuppen o.ä. Gebäude gestanden, was schon von der Feuerwehr genutzt wurde. Leider liegen hierüber keine Informationen mehr vor. Dem damaligen Amtmann Tenholt, der in Personalunion seit 1898 auch die Position des Feuerwehrhauptmannes inne hatte, war es maßgeblich zu verdanken, dass es zum Neubau kam. Nach rund dreijähriger Planung konnte das neue Spritzenhaus 1913 seiner Bestimmung übergeben werden.

Den Steigerturm dieses Spritzenhauses krönte eine Wetterfahne, die einen Feuerwehrmann darstellte. Auf dem freien Platz vor dem Spritzenhaus wurden zwei seltene Bäume angepflanzt, welche der Amtmann Tenholt zur Erinnerung an das Regierungsjubiläum seiner Majestät des deutschen Kaisers Wilhelms II. der Gemeinde zur Eröffnung geschenkt hat. Nach der Schlüsselübergabe ging es seinerzeit für die Feuerwehr noch im Festzug mit Gemeindevertretung sowie geladenen Ehrengästen zum Eröffnungsfestball in die Gaststätte Schneermann.

Die damaligen Feuerwehrhäuser nannte man nach den dort untergestellten Feuerwehrpumpen (Handdruckspritzen) landläufig „Pumpenhäuser“. In Wettringen wurde es kurioserweise von der Bevölkerung auch „Pumpenburg“ genannt. Durch seine zwei integrierten Arrestzellen hatte es auch einen Hauch von Räuber Hotzenplotz. Immer wieder mussten Betrunkene und Wanderburschen ihre Nächte im Spritzenhaus verbringen.

Der Heimatchronist Josef Böwering schrieb in einer Zeitungskolumne  zum Abbruch des Spritzenhauses 1960, dass das Pumpenhaus immer wieder Gegenstand von Berichten und Anekdoten war.

So mussten die Inhaftierten am Tage darauf die Straßen vor dem Amtshaus, beim Polizeidiener und vor den Schulen fegen, ehe sie ein Frühstück erhielten und weiterziehen durften. Randalierer traf es härter, sie wurden nach der Ausnüchterung mit einer Anzeige bedacht. Josef Böwering berichtet weiter „dass einmal ein bekannter Wettringer Randalierer vom Polizeidiener festgenommen und in die Zelle gesperrt wurde. Als er am anderen Morgen den Arrestanten dem Amtmann vorführen wollte, war die Zelle leer. Zwei Freunde des Einsitzenden hatten sich in der Nacht mit Eisensägen und Brecheisen bewaffnet und dem Inhaftierten zur Freiheit verholfen. Das Ereignis war Dorfgespräch, und man wusste auch bald, wer die Befreier waren. Sie wurden vor den Kadi zitiert und erhielten nun selbst eine Freiheitsstrafe zu diktiert.“ Dass die Pumpenburg immer wieder Thema in der Wettringer Bevölkerung war, zeigt ein Lied, welches ein leider namentlich nicht mehr bekannter Wettringer Heimatdichter schrieb „Das Lied von der Pumpenburg“.