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Interview mit Paul Krümpel

Hallo Paul, Du bist seit 1958 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. In Deiner Feuerwehrlaufbahn hast Du von Ernst Niehues bis Bernd Wolbeck fünf Wehrführer erlebt. Wie hast Du den Weg zur Feuerwehr gefunden?

Ernst Niehues, Bernhard Wolbeck sen., Theo Niehues, Karl Bruning und Bernhard Wolbeck waren Wehrführer in meiner aktiven Zeit. Mein Vater war ebenfalls aktiv in der Feuerwehr, das war mein Vorbild. Zudem hatte ich 1952 erlebt, wie beim Elternhaus durch Blitzschlag der Stall abbrannte und mit was für Problemen die Feuerwehr damals zu kämpfen hatte, vor allem mangelhafte Ausrüstung. Letztlich hat die Feuerwehr es damals doch geschafft, den Brand einzudämmen und so noch größeren Schaden zu verhindern.

In Deiner Anfangszeit als Feuerwehrmann hattest Du Brandmeister wie Adolf Heim, Johann Jerber oder Ernst Niehues kennengelernt, die ja heute schon etwas Legendenhaftes an sich haben. Wie war der Feuerwehrdienst damals?

Zu Anfang meiner Dienstzeit war die Ausbildung gänzlich anders, die damaligen Brandmeister hatten relativ wenig technisches Verständnis, nicht mal einen Führerschein. Sogar der Maschinist musste sich fahren lassen. Die Ausbildung drehte sich nur um Feuerbekämpfung, das Wort "Technische Hilfe" war ein Fremdwort. Es ging bei den Übungen militärischer zu, richtiges Auf- und Absitzen und Antreten waren Ausbildungsziele. Als Bernhard Wolbeck sen. Wehrführer wurde, änderte sich alles, statt "Stillgestanden" gab es nur noch die Arbeitsstellung.

Nach dem Krieg war es ja nicht immer einfach für Euch, die passende Ausrüstung an Fahrzeugen und feuerwehrtechnischem Gerät zu bekommen; Ihr hattet aber gleichzeitig häufig mit Bränden auf landwirtschaftlichen Gehöften zu tun. Wie habt Ihr Eure Arbeit bewältigt?

Wenn ein landwirtschaftliches Gebäude brannte, gab es fast immer nur Vollbrände, Betondecken und Brandabschnitte gab es kaum, zudem lagerte auf den großen Stallboden Heu und Stroh. Zuerst waren wir voll damit beschäftigt, die Bewohner und dann das Vieh zu retten. Wir hatten nur zwei Tragkraftspritzen,die Wasserentnahmestellen waren so weit weg, dass für den ersten Löscheinsatz sogar die Jauchegrube herhalten musste. Wenn dann der richtige Löscheinsatz lief war manchmal das Feuer schon bis auf 2 m Höhe heruntergebrannt.

Welches Feuerwehrfahrzeug hast Du bei Einsätzen besonders schätzen gelernt?

1964 bekam die Feuerwehr in Wettringen das erste TLF 16, Kurzhauber MAN 415 LA, mit 115 PS "bärenstark". Dieses Fahrzeug habe ich viele Jahre bei Einsätzen gefahren, ich war auch dabei als wir es von Gingen an der Brenz abgeholt haben. Dabei hatten wir unseren 1. Einsatz auf der Wiederbachtalbrücke der heutigen A 3.

An was erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Feuerwehrlaufbahn zurückdenkst? Was waren die Highlights?

Ein großes Highlight war das 100-jährige Jubiläum der Wettringer Feuerwehr 1992, ein Jahrzehnt hatten wir es vorbereitet, vor allem finanziell. Ein weiterer Höhepunkt war für mich die Rettung eines alten Mannes in der Nacht aus seinem brennenden Schlafzimmer, obschon wir nur mit 2 Mann im Einsatz waren. Es gab aber nicht nur Erfolge, wenn man 2 Jugendliche im Auto verbrennen sieht, bedrückt es einen doch sehr, auch wenn man genau weiß, dass durch die Explosion des in den Wagen gedrückten Tanks die beiden sicherlich sofort getötet worden waren.

Was fällt Dir zu folgenden Stichworten ein:

Feuerwehr Wettringen

Hätte ich noch einmal die Wahl, würde ich sofort wieder Mitglied der Wettringer Feuerwehr werden.
Jeder ist für jeden da, einer kann sich auf den anderen verlassen und jeder hilft jedem.

Feuerwehrgerätehaus

1960 waren wir stolz , so ein Gerätehaus zu besitzen für 2 LF 8 mit Tragkraftspritzenanhänger (TSA) und einen Krankenwagen. Ausrüstung war nicht viel vorhanden, also brauchte man auch keinen Platz dafür. Obschon zwischenzeitlich renoviert, kneift der Anzug jetzt überall.

Ehrenabteilung

Leider muss man mit 60 Jahren den aktiven Dienst quittieren und wird in die Ehrenabteilung versetzt, man sollte das lieber nach dem Gesundheitszustand und der Fitness bemessen.

Ausblick

Neue Aufgaben sind in den letzten Jahren auf die Wehr zugekommen und weitere werden folgen. Dafür muss die Wehr ausgebildet und auch ausgerüstet sein.

Wehrführung

Glücklicherweise hatten wir immer eine der Zeit entsprechende sehr gute Wehrführung, ich hoffe, dass dies auch in der Zukunft so bleibt. 30 Jahre war ich als Kassierer mit im Kommando, rückblickend kann ich sagen, dass auch dort immer ein sehr kameradschaftliches Verhältnis vorherrschte, auch wurden Anforderungen an die Gemeinde immer mit Rücksicht auf das finanziell Mögliche gestellt.

Früher gab es auch einen Dienstausweis für die Feuerwehr, denn gerade am Wochenende und Nachts musste man desöfteren als verlängertert Arm des Ordungsamtes tätig werden. Der Dienstausweis wurde vom Gemeindedirektor Wilhelm Schröder unterschrieben. Der abgebildete Ausweis zeigt Paul Krümpel 1961. Seit 1965 gibt es keine Dienstausweise in Wettringen mehr.

Wir bedanken uns für den ausführlichen Einblick in das Wettringer Feuerwehrleben bei Paul Krümpel. Wettringen im Jahr 2001.